Google: Chrome glänzt nicht
Die Euphorie war groß, als Google seinen Browser “Chrome” vorstellte. Doch die Stimmung kippte schon nach kurzer Zeit: Probleme mit dem Datenschutz verärgerten viele Nutzer. Nun leidet auch das Image des Internetriesen.
In diesen Tagen feiert Google seinen zehnten Geburtstag. Die Bilanz zum Jubiläum ist beeindruckend: Innerhalb kürzester Zeit avancierte das Internetunternehmen vom kleinen Garagen-Start-Up zum milliardenschweren Marktführer der Suchmaschinen. In Deutschland hat die Google-Suche je nach Schätzung einen Marktanteil von 80 bis über 90 Prozent und so dominiert der Anbieter auch den Online-Werbemarkt.
Mit dem neuen Browser Chrome startet das Unternehmen nun einen Frontalangriff auf den Softwarekonzern Microsoft und dessen Internet Explorer. Doch statt gewohntem Lob muss sich Google Kritik gefallen lassen. Besonderes Ärgernis ist der Datenschutz: Der ist nach Ansicht einiger Experten bei Chrome nicht gewährleistet.
Eine aktuelle BrandIndex-Analyse zeigt ein ungewohntes Bild. Das Image von Google leidet deutlich nach der Einführung des neuen Browsers. Üblicherweise bewegt sich die Marke durchschnittlich im Bereich von 91 BrandIndex-Punkten und erreicht damit bei den Deutschen sogar bessere Werte als die Stiftung Warentest. Aktuell sinken die Indexwerte der Marke, die zu den wertvollsten der Welt gehört, jedoch auf ein Jahrestief von 81 Punkten.
Noch eindrucksvoller zeigt sich die Entwicklung bei der gemessenen Markenpräsenz. Im Gegensatz zu den langfristig orientierten Indexwerten ist sie ein Maß dafür, ob die Befragten kurzfristig etwas Positives oder Negatives über eine Marke gehört haben. Unmittelbar nach der Veröffentlichung von Chrome brach die Markenpräsenz von zuvor im Mittel 73 auf aktuell 27 Punkte ein – ebenfalls ein Jahrestief. Grund hierfür ist offensichtlich die teilweise sehr kritische Berichterstattung nach Bekanntwerden der Datenschutzprobleme. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät sogar von der Nutzung des Browsers ab.
Die gemessenen Werte liegen zwar noch immer weit über dem Durchschnitt anderer Marken, die Imageverluste setzen den Branchenprimus dennoch unter Zugzwang. So kündigte Google bereits an, die Datenspeicherung zu überarbeiten. Dies geschieht vermutlich vor allem, um die deutschen Internetnutzer zu beruhigen. Denn wie ein Blick in den britischen BrandIndex zeigt, scheinen die Deutschen besonders sensibel zu sein, wenn es um den Schutz privater Daten geht.
In Großbritannien schneidet Google durchschnittlich etwas besser ab als bei den Deutschen. Sehr interessant ist aber insbesondere, dass Google bei den Briten nach der Einführung von Chrome keine Imageverluste verzeichnet – im Gegenteil: Die Markenpräsenz steigt sogar leicht an. Das verwundert deshalb, weil Großbritannien in den letzten Monaten von zahlreichen Datenschutzskandalen erschüttert wurde.
Auch wenn Chrome keinen glänzenden Start hingelegt hat: Microsoft dürfte von der neuen Konkurrenz alles andere als begeistert sein. Zu groß ist die Gefahr, dass Google den Windows-Erfinder nun auch noch im Bereich Software auf die Plätze verweist. Im BrandIndex bescheinigen die Indexwerte Microsoft zwar ein recht gutes Image, sie liegen mit durchschnittlich 42 BrandIndex-Punkten aber deutlich hinter Google. Ein gutes Image ist für Microsoft von großer Bedeutung, denn das Unternehmen muss sich nicht nur gegen Internetgrößen wie Google oder Yahoo sondern auch gegen unzählige Konkurrenten aus anderen Bereichen wie Sun Microsystems, Sony oder Nintendo behaupten.
Der BrandIndex ist ein forschungsbasiertes Tool zur Markenführung. Auf der Basis einer täglichen Befragung von 1000 Personen ermöglicht der BrandIndex eine tagesaktuelle Imageanalyse von über 500 Marken aus 20 Branchen. Als internationales Tool ermöglicht er auch Analysen auf dem amerikanischen, dem britischen, dem österreichischen und dem skandinavischen Markt.
Google startet AdSense für Video
Anzeigen werden in Videos eingeblendet
„AdSense für Video“ startet wie üblich in einer Beta-Version und folgt dem schon bei YouTube zu findenden Modell: Die Anzeigen werden in das laufende Video eingeblendet. Google nennt dies dann „Overlay-Ads“ und geht davon aus, dass dieser Ansatz für Nutzer wenig störend ist, da diese nicht unterbrochen werden.
Für Werbekunden hat dies den Vorteil, mit einer Schaltung ein noch größeres Netzwerk zu buchen. Websites verspricht Google dadurch bessere Vermarktungschancen in einem noch recht jungen Bereich. Die Anzeigen auf YouTube und AdSense für Video können zentral verwaltet werden. Abgerechnet wird per TKP, also pro Einblendung. Zudem gibt es ausschließlich für AdSense auch die Möglichkeit, Textanzeigen in Videos zu integrieren; hier rechnet Google dann nach erfolgten Klicks ab.
Die Anzeigen werden wie bei AdSense üblich passend zum Inhalt der Website ausgesteuert. Allerdings müssen Websites einige technische Voraussetzungen erfüllen, damit Google die Werbung in die Videos einblenden kann. Entsprechend hoch legt Google die Hürden, denn derzeit können nur US-Websites mit mehr als einer Million Video-Abrufen pro Monat an dem Programm teilnehmen. Kleineren Sites bliebt nur das Partnerprogramm von YouTube, wobei sie ihre Videos dann dort hosten müssen.
Publicis arbeitet mit Google zusammen
Vermarktung im Videobereich angedacht
Der französische Werbekonzern Publicis will zusammen mit dem US-Suchmaschinen-Anbieter Google Video-Marketing-Tools entwickeln. Derzeit ist Google vor allem bei der Textanzeigenvermarktung und mit seinem Adwords-Programm erfolgreich – bei Bildern und Videos hapert es hingegen noch.
Eine Stärke, die Maurice Lévy, Chef von Publicis für sich verbucht. Im Gespräch mit dem Handelsblatt teilte Lévy mit, dass das französische Unternehmen beispielsweise Werbevideos produzieren könne, die über Schlagwortvermarktung eingeblendet werden könnten. Wie das genau aussehen könnte, ließ der Werbemanager offen. Auf jeden Fall sollen nur solche Filme zu sehen sein, die den Nutzer aufgrund seiner Suchbegriffe interessieren könnten.
Ende Januar 2008 teilten Google und Publicis mit, dass die Unternehmen eine Kooperation eingegangen sind. Dies sorgte in der Branche für Aufsehen. Wie die Zusammenarbeit aussieht, die bereits seit einem Jahr unangekündigt laufen soll, ist auch jetzt nicht bekannt.
Lévy sagte dem Handelsblatt, dass derzeit rund 20 Publicis-Manager im täglichen Kontakt mit Google stehen, um das Projekt voranzutreiben. Publicis ist die weltweit viertgrößte Werbeholding, die 2007 einen Umsatz von 4,67 Milliarden Euro erzielte.


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